US-Strategiepapier
Durch weniger Kondensstreifen soll Luftverkehr nachhaltiger werden
28.3.2025, 15:14 (CET)
Wie kann man die Luftfahrt nachhaltiger gestalten? Damit wollen sich mehrere US-Behörden intensiver auseinandersetzen und haben dafür eine Roadmap entwickelt. «Mehrere Bundesbehörden haben soeben zugegeben, dass Flugzeuge Chemikalien in den Himmel sprühen, die das Wetter verändern», ist dazu in einem Blogartikel zu lesen. Was hat es mit dem Strategiepapier der US-Behörde auf sich?
Bewertung
Es gibt keine Belege, dass Flugzeuge systematisch Chemikalien in die Atmosphäre versprühen - weder in den USA noch in der Schweiz. In dem Strategiepapier geht es darum, die Luftfahrt nachhaltiger zu gestalten. Dazu soll die Bildung von Kondensstreifen verringert werden.
Fakten
Bei dem Artikel handelt es sich um die Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von Slay News. Das US-Onlineportal soll bereits mehrfach Verschwörungstheorien und Propaganda verbreitet haben.
Kondensstreifenmanagement für eine nachhaltigere Luftfahrt
Das Strategiepapier, welches im Januar von den US-Bundesluftfahrtbehörden (FAA), der US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaften (NASA) und der US-Bundesbehörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA) herausgegeben wurde, markiert einen Ausgangspunkt für eine nachhaltigere Luftfahrt.
Die Vision besteht darin, bis 2050 ein effektives Kondensstreifenmanagement zu schaffen - unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Kompromisse und den klimatischen Auswirkungen von Kondensstreifen. «Ein ideales Flugzeug sollte möglichst ressourcenschonend sein, keinen negativen Einfluss auf das Erdklima haben, keine lokalen Luftbelastungen erzeugen und möglichst nicht hörbar sein», schreibt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Download).
Das US-Dokument zeigt auf, dass für eine nachhaltigere Luftfahrt ein Grundverständnis der atmosphärischen Chemie und Physik erforderlich sei, ebenso wie Kenntnisse über Flugzeugemissionen, Treibstoffchemie und Triebwerkstechnologie. Von Chemikalien, welche angeblich in der Atmosphäre versprüht würden, ist im Strategiepapier der US-Behörde nichts zu lesen.
«Contrails» sind Kondensstreifen
Das Dokument erklärt weiter, dass «Contrails» ein Kurzwort von «Condensation trails» - also Kondensstreifen - ist. Diese bestehen hauptsächlich aus Wasser in Form von Eiskristallen sowie auch aus Feinstaubemissionen (Download, S. 3) und natürlich vorkommenden Partikeln. Der grösste Teil des Wassers entsteht aus Wasserdampf, der vom vorbeifliegenden Flugzeug zur Kondensation gebracht wird. Dies ist den Behörden seit langem bekannt (Download).
Bei den Kondensstreifen handelt es sich um künstliche Wolken. Ob sich hinter Flugzeugen Kondensstreifen bilden, hängt von diversen Faktoren ab, zum Beispiel der Luftfeuchtigkeit, der Lufttemperatur, der Abgastemperatur und der in der Luft vorhandenen Partikelmenge.
Die Streifen können sich zu Zirren entwickeln. Dass diese Zirren das Klima beeinflussen, ist schon länger bekannt. Um sie zu vermeiden, sind mehr Forschung sowie eine Zusammenarbeit diverser Interessensgruppen vonnöten, schreiben die US-Behörden in ihrem Strategiepapier.
Kondensstreifen sorgen vor allem im Internet regelmäßig für unbelegte Behauptungen über eine geheime künstliche Klimabeeinflussung und sogenannte «Chemtrails». Dies widerlegte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) bereits in früheren Faktenchecks. Die Schweizer Behörde bezeichnet diese These als «unhaltbar».
(Stand: 28.3.2025)
Links
Artikel mit Falschbehauptung (archiviert)
US-Behörde: Contrail Research Roadmap, Januar 2025 (archiviert)
BAZL: Umweltoptimierungen bei Flugzeugen (Download) (archiviert)
BAZL: Kondensstreifen, 27.10.2022 (archiviert)
BAZL: Emissionen des Luftverkehrs, Januar 2020 (archiviert)
US-Wetterbehörde: Wolken (archiviert)
US-Wetterbehörde: Contrails (archiviert)
US-Luftfahrtbehörde: Faktenblatt Contrails (archiviert)
SCNAT: Auswirkungen der Flugverkehrsemissionen auf das Klima, 2021 (archiviert)
dpa-Faktencheck: Fotos zeigen Kondensstreifen von Flugzeugen, 29.09.2023
dpa-Faktencheck: Sommaruga sprach über Chancen und Risiken von Geoengeneering, 29.08.2023
dpa-Faktencheck: US-Militär beobachtet das Wetter - kein Beleg für Beeinflussung, 30.09.2024
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