Falsches Foto
Niederlande verwenden CO2 aus Raffinerie zur Unterstützung des Gemüseanbaus
28.2.2025, 12:26 (CET), letztes Update: 28.2.2025, 12:38 (CET)
Obwohl wissenschaftlich bewiesen ist, dass insbesondere die durch menschliche Aktivitäten erhöhte Kohlenstoffdioxid-Emission der Hauptverursacher für den Klimawandel ist, werden die negativen Konsequenzen von CO2 weiterhin in Frage gestellt. So heisst es etwa in einem Sharepic, dass in Holland Gewächshäuser der Firma Linde via Pipeline tonnenweise mit CO2-Emissionen von den Bohrinseln beliefert werden. «Und du bezahlst demnächst eine CO2 Steuer», wird anschliessend gefragt.
Bewertung
In den Niederlanden wird tatsächlich eine Pipeline betrieben, durch die CO2 in Gewächshäuser geleitet wird. Damit soll das Pflanzenwachstum beschleunigt werden. Doch das CO2 stammt aus einer Ölraffinerie, nicht wie behauptet von einer Bohrinsel. Das Bild zeigt zudem die Wasserstoff-Verflüssigungsanlage in Leuna und hat mit der CO2-Pipeline nichts zu tun.
Fakten
In einem geschlossenen Raum wie dem Gewächshaus kann das für die Photosynthese und somit auch für das Pflanzenwachstum notwendige CO2 durchaus in zu geringer Menge vorkommen. Das Anreichern der Luft mit CO2 kann das Pflanzenwachstum steigern, wie eine Art Dünger. Wie viel CO2 eine Pflanze benötigt, hängt von der Pflanze selbst, aber auch von deren aktuellen Wachstumsphase ab. Zusätzlich muss CO2 im Verhältnis zu anderweitigen Pflanzennährstoffen, Wasser und Licht im optimalen Bereich vorhanden sein, um positiv auf das Pflanzenwachstum zu wirken.
Wie in früheren Faktenchecks thematisiert, wirkt ein erhöhter CO2-Gehalt unterschiedlich auf diverse Pflanzenarten und kann durchaus negative Konsequenzen haben. In den geschlossenen Systemen eines Gewächshauses kann die CO2-Konzentration reguliert werden und ist nicht zu vergleichen mit den steigenden atmosphärischen CO2-Werten.
Pipeline aus der Ölraffinerie versorgt niederländische Gewächshäuser
Seit mehreren Jahren werden in den Niederlanden industriell erzeugte CO2-Emissionen abgezweigt, um etwa die klimatischen Bedingungen für Pflanzen in Gewächshäusern zu optimieren. Dafür werden CO2-Emissionen unter anderem von der Shell Raffinerie Pernis via Pipeline in die Gewächshäuser befördert.
Dafür verantwortlich ist die Firma OCAP, bei welcher die Linde Gas alleiniger Anteilseigner ist. Das auf dem Sharepic zu sehende Bild zeigt allerdings die Wasserstoff-Verflüssigungsanlage am Linde-Produktionsstandort in Leuna in Deutschland. Mit der Pipeline von der Raffinerie zu den Gewächshäusern in den Niederlanden hat das nichts zu tun.
Das Sharepic ist aus dem Kontext eines Faktenchecks von Mimikama entnommen worden.
Staatliche CO2-Abgabe zur Emissionssenkung
Auf fossile Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas wird in der Schweiz seit 2008 eine Lenkungsabgabe erhoben. Im Jahr 2022 erhöhte sich der Betrag auf 120 Franken pro Tonne CO2. Damit soll der Anreiz geschaffen werden, den Verbrauch von fossilen Energieträgern und somit CO2-Emissionen zu reduzieren. Auf fossile Treibstoffe wie Benzin und Diesel gilt diese CO2-Abgabe nicht.
(Stand: 28.2.2025)
Links
NASA: Beweise für den Klimawandel (archiviert)
Oklahoma State University: CO2-Ergänzung in Gewächshäuser, September 2023 (archiviert)
Behörde Ontario: CO2 in Gewächshäuser, Dezember 2002 (archiviert)
Faktencheck: Schäden durch Erderwärmung überwiegen Düngeeffekte bei CO2Zunahme, 12.04.2022
Faktencheck: Maiserträge gehen in heissen Regionen durch Klimawandel zurück, 14.10.2024
Faktencheck: Biodiversität war nicht Forschungsgegenstand, 04.10.2024
OCAP: Anteilseigner Linde Gas (archiviert)
OCAP: Unternehmensinformation (archiviert)
PBL: Dekarbonisierungsotionen der Industrie Botlek/Pernis Rotterdam, 17.08.2022 (archiviert)
EU: Bericht über Unterstützung für niederländische CO2 Pipelines an OCAP, 07.12.2018 (archiviert)
Linde: Finanzbericht 2017 (archiviert)
Linde: Präsentation über Dekarbonisierungsmöglichkeiten, Januar 2021 (archiviert)
Linde: Präsentation über Wasserstoffgewinnung, April 2021 (archiviert)
CHEManager: Artikel über Wasserstoff-Verflüssigungsanlage in Leuna, 31.10.2019 (archiviert)
Mimikama: Artikel über Sharpic (archiviert)
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