Geimpfte dürfen fliegen

03/06/2021, 11:54 AM (CEST)

Noch vor Ende Juni soll in Deutschland ein digitaler Nachweis für Corona-Impfungen eingeführt werden - auch damit Urlauber ihn in der Reisezeit nutzen können. Nun wird allerdings darüber spekuliert, dass angeblich ausgerechnet die Immunisierung den Urlaub verhindern solle: «Haben Sie eine Impfung? Keine Flüge mehr!», heißt es in der Überschrift eines Blog-Artikels, der sich auf Facebook verbreitet (hier archiviert). Angeblich diskutierten Fluggesellschaften über ihre Haftung, da die Corona-Impfungen das Risiko für ein Blutgerinnsel erhöhten. Sind deshalb tatsächlich Beschränkungen für Geimpfte geplant?

Bewertung

Die Behauptung ist falsch. Geimpfte dürfen fliegen. Dem Internationalen Dachverband der Fluggesellschaften (IATA) ist «nicht bekannt», dass Fluggesellschaften erwägen, gegen Covid-19 geimpften Personen das Fliegen zu verbieten. Der europäische Verband A4E (Airlines for Europe) bezeichnet die Meldung als «Fake News».

Fakten

Große Verbände von Airlines haben keine Kenntnis von den im Blog-Artikel erwähnten angeblichen Diskussionen. «Der IATA sind keine Fluggesellschaften bekannt, die erwägen, den Flug von Geimpften zu verbieten», sagte IATA-Sprecherin Kalliopi Lazari der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der Verband fordere, dass für geimpfte Passagiere keine Tests oder Quarantäne nötig sein sollten, lehne eine Impfpflicht aber ab.

Ähnlich äußerte sich auf dpa-Anfrage der Verband European Airlines for Europe (A4E): «Wir können bestätigen, dass es sich tatsächlich um Fake News handelt.» Der Verband unterstützte weltweite Impfbemühungen und sehe eine «Schlüsselrolle der Impfung bei der Eindämmung der Epidemie, dem Schutz der Schwächsten und der Wiederaufnahme des Reisens», so eine A4E-Sprecherin.

Auch weitere Annahmen über Thromboserisiken durch Impfstoffe sind im Text falsch. Bekannt sind diese als sehr seltene Nebenwirkung der Corona-Impfung bei den Vektor-basierten Impfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson - nicht wie im Text behauptet auch bei mRNA-Impfungen.

Nebenwirkungen, die Gerinnungsprobleme betreffen, sind auch nicht «eine der Hauptreaktionen» - wie es im Text heißt. Vorfälle einer speziellen Thrombose treten bei den Impfstoffen nur extrem selten auf. Die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung berichtete im März von 13 Fällen einer Sinus- oder Hirnvenenthrombose nach mehr als 1,6 Million verabreichten Impfdosen der Firma Astrazeneca. Sie berief sich dabei auf Zahlen des in Deutschland für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung mit den beiden Vektor-basierten Impfstoffen nur für Über-60-Jährige.

Insgesamt ist die Gefahr einer tiefen Beinvenenthrombose auf langen Flügen bekannt, aber sehr gering. Ungefähr 2 von 10 000 Passagieren bekamen nach einem mehr als vierstündigen Flug eine Thrombose, die zu Beschwerden führte, haben Studien nach Angaben der Seite «gesundheitsinformation.de» ermittelt. Das Risiko steigt, je länger der Flug dauert, oder wenn Passagiere bereits ein erhöhtes Thromboserisiko haben.

Links

Erläuterungen zur Empfehlung der Ständigen Impfkommission für Vektor-basierte Impfstoffe und Thrombose-Risiken, Seite 28. (archiviert)

Stellungnahme der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung zur Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff (29. März 2021) (archiviert)

Informationen mit Angabe wissenschaftlicher Studien auf «gesundheitsinformation.de» zur Thrombose-Vorbeugung auf Flugreisen (archiviert)

Blog-Artikel «Haben Sie eine Impfung? Keine Flüge mehr!» (29. Mai 2021) (archiviert)

Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com