Kaliumchlorid ist in geringen Dosen völlig ungefährlich

18/02/2021, 04:16 PM (CET)

Entwicklung und Anwendung der Impfstoffe gegen das Corona-Virus werden von der Öffentlichkeit intensiv begleitet. Im Internet ist einsehbar, welche Stoffe die Präparate beinhalten. Sind es dieselben, mit dem in den USA die Todesstrafe per Spritze vollstreckt wird? Diese Behauptung wird in einem Facebookpost aufgestellt, der auf die Chemikalie Kaliumchlorid anspielt. Ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer womöglich gefährlich? (hier archiviert)

BEWERTUNG: Kaliumchlorid ist Bestandteil zahlreicher Medikamente und in geringen Dosen völlig harmlos.

FAKTEN: Kaliumchlorid befindet sich nach offiziellen Angaben tatsächlich im Impfstoff von Biontech/Pfizer - und tatsächlich ist der Stoff auch Bestandteil der tödlichen Injektionen, mit denen in den USA die Todesstrafe vollstreckt wird (Kalium hier «Potassium» genannt). In hoher Dosis kann Kaliumchlorid Herzstillstand verursachen. Das aber bedeutet nicht, dass eine winzige Menge Kaliumchlorid in einem Impfstoff gefährlich wäre.

Kaliumchlorid wird als medizinischer Wirkstoff vor allem gegen Kaliummangel eingesetzt, in zahlreichen Medikamenten ist das Salz als Zusatzstoff enthalten und zudem Bestandteil vieler Lebensmittel. Kaliumchlorid steht auf der Liste der wichtigsten Arzneimittel der WHO.

Eine Dosis des COVID-19-Impfstoffs enthält 0,01 Milligramm Kaliumchlorid «Das ist ungefähr die gleiche Menge Kalium wie in einer einzelnen Träne», erklärte der Immunologe Adrian Liston vom Babraham Institute in Cambridge (Großbritannien) der Deutschen Presse-Agentur.

Aber warum ist Kaliumchlorid überhaupt im Impfstoff? «Man kann niemandem reines Wasser injizieren, seine Zellen würden platzen. Sie stellen also eine ausgewogene Salzlösung her, die dem Blut ähnlich ist», erklärt Liston. Eine für den Menschen tödliche Dosis müsste 75 bis 150 Milligramm Kaliumchlorid pro Kilogramm Körpergewicht enthalten.

«Eine tödliche Injektion besteht aus etwa 8000 Milligramm Kaliumchlorid», sagt Immunologe Liston. Ein Überschuss an Kalium werde von den Nieren normalerweise herausgefiltert. «Eine Injektion bringt aber alles in den Blutkreislauf, bevor die Nieren die Möglichkeit haben, es zu verarbeiten.»

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Links:

Post mit Behauptung: https://www.facebook.com/mini.tennis.96/posts/1752431018261185 (archiviert: https://archive.vn/16mTh)

Informationen zu Kalium: https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/info/vitamine-mineralstoffe/mengenelemente/kalium (archiviert: http://dpaq.de/h05EN)

https://imedikament.de/kaliumchlorid-7-45-braun/fachinformation (archiviert: http://dpaq.de/EFYZ0)

https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Kaliumchlorid_468 (archiviert: http://dpaq.de/Ln0HV)

WHO-Liste der wichtigsten Arzneimittel: https://www.who.int/publications/i/item/WHOMVPEMPIAU2019.06

US-amerikanische Zulassungsbehörde mit Angaben zu den Inhaltsstoffen: https://www.fda.gov/media/144617/download#page=2 (archiviert: http://dpaq.de/PWucb)

https://www.fda.gov/media/144412/download (archiviert: http://dpaq.de/Ng8MY)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung zum empfohlenen Kaliumverzehr: https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/kalium/?L=0 (archiviert: http://dpaq.de/5Svba)

Informationen eines NGO zur Todesstrafe in den USA: https://deathpenaltyinfo.org/executions/lethal-injection/overview-of-lethal-injection-protocols (archiviert: http://dpaq.de/BSdGW)

Artikel über Umsetzung der Todesstrafe am Beispiel im Bundesstaat Tennessee https://eu.tennessean.com/story/news/crime/2018/01/19/tennessee-warned-use-controversial-drug-combination-lethal-injections/1046487001/ (archiviert: https://perma.cc/QV5P-SN5N)

Artikel über die Injektionen bei der Todesstrafe: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/05/17/was-enthalt-der-todliche-giftcocktail (archiviert: http://dpaq.de/HpcE4)

https://www.medscape.com/viewarticle/556167_4 (archiviert: https://archive.is/uS6WT)

https://research.wustl.edu/wp-content/uploads/2017/08/SOP-KCl.pdf (archiviert: http://dpaq.de/nxNN9)

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