Foto von Windrad-Enteisung stammt aus Schweden

12/02/2021, 03:43 PM (CET)

In den sozialen Medien sorgt angesichts der winterlichen Verhältnisse im Land ein Foto für Spott und Häme. Es zeigt eine von Firn und Schnee überzogene Windkraftanlage. Daneben: ein Hubschrauber, der durch Aufsprühen einer Flüssigkeit die Rotorblätter enteist. In den flankierenden Beitragstexten (hier archiviert) heißt es: «Winter in Deutschland ist, wenn Kerosinpropeller aufsteigen müssen, um Chemie zu versprühen, damit die GRÜNEN Ökopropeller wieder laufen.»

BEWERTUNG: Das Bild ist nicht aktuell: Es wurde vor Jahren in Schweden aufgenommen. In Deutschland werden Windräder überlichweise nicht enteist. Vermeintlich angewendete Chemikalien wären genehmigungspflichtig. Dem Umweltbundesamt sind solche Anträge oder Einsätze nicht bekannt.

FAKTEN: Eine Bilderrückwärtssuche führt auf die Webseite von «Ny Teknik», einer schwedischen Wochenzeitschrift, die sich vor allem mit Energie- und Technikthemen befasst. Bereits im Januar 2015 veröffentlichte diese einen Bericht über neue Möglichkeiten, Windkraftanlagen zu enteisen. Vorgestellt wurde ein Verfahren, bei dem überfrorene Rotorblätter mittels Heißwasserdusche enteist werden. Das heiße Wasser werde per Helikopter ausgebracht. Für ein Windrad benötige man etwa anderthalb Stunden, wurde ein Verantwortlicher zitiert. Anders als in den sozialen Netzwerken behauptet kommt damit keine Chemikalie zum Einsatz.

Zudem stammt das Bild auch nicht aus Deutschland. Den Angaben auf «Ny Teknik» zufolge wurde es in Lappland in Nordschweden aufgenommen. «Hierzulande wird diese Praxis nicht angewendet», erklärt Philip Matthiessen vom deutschen Bundesverband Windenergie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Denn bei normalen Wetterlagen komme es in Deutschland selbst im Winter kaum vor, dass Anlagen vereisten und so stillstehen müssten, so Matthiesen.

Und selbst wenn, sei der entstehende wirtschaftliche Schaden zu vernachlässigen. Anders in Skandinavien, in Österreich oder der Schweiz: Dort fallen, so ein Schweizer Gutachten, die Windkraftanlagen durch Vereisung teils über einen Monat lang aus - weshalb viele Rotoren mittlerweile mit Blattheizungen versehen sind. Nirgends allerdings finden sich Hinweise darauf, dass bei der Enteisung Chemie eingesetzt würde.

Auch beim deutschen Umweltbundesamt hat man von solchen Anwendungen noch nicht gehört. Eine Sprecherin erklärt gegenüber der dpa: «Wenn es einen Einsatz von Hubschraubern und Chemikalien zur Enteisung von Windrädern überhaupt als Methode geben würde, müssten die Betreiber das im Rahmen der Genehmigung beantragen - so, wie sie etwa auch die Löschmittel für den Brandschutz beantragen müssen. Solche Anträge sind uns aber überhaupt nicht bekannt.»

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Links:

Beitrag auf Facebook: https://www.facebook.com/GGAfDBW/posts/1130497637387250 (archiviert: https://archive.is/E6ohg)

Bericht von «Ny Teknik» (21.01.2015): https://www.nyteknik.se/energi/helikopter-stralen-ar-nya-vapnet-mot-isen-6395827 (archiviert: https://archive.is/siLH9)

Gutachten zur Vereisung von Windkraftanlagen: https://www.suisse-eole.ch/media/redactor/2011_Studie_BFE_StBrais_Vereisung.pdf (archiviert: http://dpaq.de/I1YCX)

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