Kein «Schussbefehl»: Angebliche Tweets der Berliner Polizei sind gefälscht

18/11/2020, 04:18 PM (CET)

In sozialen Medien und in Chatgruppen verbreiten sich kontroverse Twittermitteilungen, die angeblich von der Berliner Polizei stammen. In dem kursierenden Screenshot eines Tweets heißt es (hier archiviert): «Wir haben nun einen Schussbefehl von der Bundesregierung erhalten und diesen Zeitnah umsetzen, falls sich die Demonstranten nicht zurückziehen. #b1811» (sic!) In einem zweiten Tweet-Screenshot heißt es (hier archiviert): «In Absprache mit dem Gesundheitsminister werden heute neben Wasserwerfern Typ 1 auch neue Wasserwerfer (Typ 2) eingesetzt, deren Einsatzmittel eine Mischung aus Tetrabenzoldihydrochlorid (auch als Chemtrails bekannt) und neuartigen RNA-Impfstoffen enthalten.» Der Account mit dem Namen «@PolizeiBerlin_E» trägt einen blauen Verifizierungshaken.

BEWERTUNG: Die Tweets sind gefälscht. Das teilte die Berliner Polizei mit. Tweets lassen sich über den Quellcode relativ leicht manipulieren.

FAKTEN: Auf ihrem verifizierten Account teilte die Polizei Berlin mit, dass beide Tweets nicht echt sind: «Aktuell kursieren gefälschte Tweets, die insbesondere über #Messenger geteilt werden. Es handelt sich um #Fakes & keine Tweets von unserem Account!!»

Der Tweet mit der Falschnachricht über den Schussbefehl zeigt als Zeitstempel den 18. November 2020 um 13.07 Uhr an. Zu diesem Zeitpunkt twitterte die Polizei jedoch: «An unserer Absperrung in der Yitzhak-Rabin-Straße sammeln sich ehemalige Versammlungsteilnehmende, statt den Ort zu verlassen. Wir fordern sie mit Durchsagen zum sofortigen Gehen auf. #b1811» Offenbar diente dieser Tweet als Grundlage für die Fälschung.

Tweets lassen sich über den Quellcode relativ leicht manipulieren. So kann man selbst Accounts, die verifiziert wurden, jegliche Äußerung in den Mund legen. Es ist daher ratsam, skeptisch zu sein, wenn sich ein Tweet als Screenshot verbreitet, der ungewöhnliche oder skandalöse Äußerungen enthält.

In Sichtweite des Bundestages am Brandenburger Tor haben nach Polizeiangaben am 18. November mehrere Tausend Gegner der staatlichen Corona-Politik protestiert - während einer Bundestagsdebatte über Änderungen am Infektionsschutzgesetz. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, dpa-Reporter berichteten zudem von Rangeleien und dem Einsatz von Tränengas. Nach Polizeiangaben gab es zuvor Verstöße gegen die Maskenpflicht. Ein Sprecher verwies auf eine Auflösungsaufforderung der Versammlung durch die Beamten, wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz.

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Links:

Screenshot des gefälschten Tweets über einen falschen Schussbefehl auf Facebook (18. November 2020): https://www.facebook.com/photo/?fbid=3538803282866600&set=a.444399985640294 (archiviert: https://perma.cc/R92M-ATWY)

Screenshot des gefälschten Tweets über einen falschen Schussbefehl auf Facebook (18. November 2020): https://www.facebook.com/photo/?fbid=3313643118732947&set=a.253412984755991 (archiviert: https://perma.cc/3Q5W-JTBB)

Dementi der Berliner Polizei (18. November 2020): https://twitter.com/PolizeiBerlin_E/status/1329064602588639233(archiviert: https://archive.vn/uHxnc)

Tweet der Berliner Polizei um 1:07 nachmittags (18. November 2020): https://twitter.com/PolizeiBerlin_E/status/1329033529032904704 (archiviert: http://dpaq.de/8kFjT)

Bericht über die Demonstration: https://www.volksstimme.de/topthemen/wasserwerfer-und-widerstand-bei-corona-protest-in-berlin/1605706377000 (archiviert: https://archive.vn/iEd16)

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