Aufeinandertreffende Ameisen-Arten bekämpfen sich auch ohne äußere Einflüsse

07/10/2020, 01:16 PM (CEST)

Das Verhalten von Ameisen soll angeblich eine Metapher für die Spaltung der Gesellschaft sein. «Fängt man 100 rote Feuerameisen sowie 100 große schwarze Ameisen und platziert sie zusammen in einem Glas, passiert zunächst einmal nichts. Schüttelt man das Glas jedoch heftig und wirft es auf den Boden, werden die Ameisen kämpfen, bis sie sich schließlich gegenseitig umbringen», heißt es in einem Facebook-Post (hier archiviert). Grund dafür sei, «dass die roten Ameisen die schwarzen Ameisen für den Feind halten und umgekehrt». Der «wirkliche Feind» sei jedoch die Person, die das Glas schüttelt, heißt es weiter. Das entspreche dem, «was in der heutigen Gesellschaft passiert»: «Links gegen Rechts, Schwarz gegen Weiß, Pro-Maske gegen Anti-Maske».

BEWERTUNG: Ameisen verhalten sich normalerweise nicht so wie beschrieben. Treffen verschiedene Arten von Ameisen aufeinander, entspricht es ihrem natürlichen Verhalten, sich feindlich zu begegnen, bestätigten Biologen der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das passiere auch ohne zusätzliches Anstacheln.

FAKTEN: Ameisen-Forscher halten das geschilderte Verhalten der Insekten für unzutreffend, auch wenn für einen exakten Beleg ein Test notwendig wäre. «Eine der auffallendsten Eigenschaften von Ameisen ist es, Kriege zu führen», teilte der Biologe Felix Oberhauser vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz auf Anfrage der dpa mit. «Diese werden nicht nur gegen Ameisen einer anderen Art, sondern auch innerhalb um Habitat und Ressourcen geführt.»

Die Angriffe geschehen auch ohne Schütteln oder Anstacheln, bestätigte der Biologe Tomer Czaczkes von der Universität Regensburg auf dpa-Anfrage. Die Angriffslustigkeit von Ameisen wird in verhaltensbiologischen Studien sogar dafür genutzt, um zu testen, ob bestimmte Ameisennester zusammenhängen oder nicht, etwa in einer Studie österreichischer Forscher aus 2018. Auch eine ältere Studie belgischer Forscher belegt das aggressive Verhalten der Ameisen.

Der Facebook-Post über rote und schwarze Ameisen suggeriert, dass die Farbe für sie entscheidend sei, um Freund oder Feind zu erkennen. «Das ist aber nicht der Fall, denn Ameisen nutzen vor allem taktile (Tast) und olfaktorische (Geruch) Reize, um Artgenossen zu erkennen», teilte Biologe Felix Oberhauser mit.

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Links:

Facebook-Posting mit der Behauptung über Ameisen (2. Oktober 2020): https://www.facebook.com/hansjoerg.tangermann/posts/3807129982632559 (archiviert: https://perma.cc/7MBX-X93Z)

Studie österreichischer Forscher über aggressives und nicht-aggressives Verhalten einer Ameisenart in den Alpen (2018): https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/03949370.2017.1343868 (archiviert: http://dpaq.de/vXFXE)

Zusammenfassung einer Studie belgischer Forscher über feindliches Verhalten der Roten Gartenameise (1978): https://link.springer.com/article/10.1007/BF02224745(archiviert: https://archive.vn/b7WXO)

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