Neues Etikett: Fluoridgehalt des Mineralwassers hat sich nicht geändert

15/09/2020, 03:20 PM (CEST)

Sobald auf einer Zahnpasta oder einem Lebensmittel steht, dass darin Fluorid enthalten ist, sieht manch einer seine Gesundheit in Gefahr. Dementsprechend gibt es im Netz einige Empörung über die Behauptung, dass im Mineralwasser des Lebensmittelunternehmens Lidl «auf einmal» Fluorid enthalten (archiviert) sei.

BEWERTUNG: Falsch. Das Mineralwasser der Lidl-Eigenmarke «Saskia» enthält seit jeher Fluorid. Der Gehalt habe sich nicht geändert, so das herstellende Unternehmen. Man weise diesen - im Zuge einer Änderung der Etiketten - seit kurzer Zeit freiwillig aus.

FAKTEN: Fluoride sind chemische Verbindungen des Gases Fluor, die in sehr geringen Mengen in vielen Lebensmitteln und auch in Mineralwasser vorkommen. Im menschlichen Körper hat Fluorid eine Bedeutung für den Aufbau von Zahnschmelz und Knochen. Bereits Ende des 19. Jahrhundert beschrieben Wissenschaftler, dass eine geringe Menge von Fluorid dabei helfe, Karies vorzubeugen.

In manchen Ländern - wie etwa Australien - wird das Trinkwasser mit Fluorid angereichert. Hierzulande ist dies nicht der Fall. Dennoch kann auch in Deutschland Fluorid in geringen Mengen im Trinkwasser enthalten sein. Der in der Trinkwasserverordnung angegebene Grenzwert liegt bei 1,5 mg/Liter. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene ab 19 Jahren eine Fluorid-Gesamtzufuhr pro Tag von 3,1 mg für Frauen und 3,8 mg für Männer als Richtwert.

Bei natürlichem Mineralwasser muss der Fluoridgehalt nur angegeben werden, wenn dieser mehr als 1,5 mg/Liter beträgt, so die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung. In diesem Fall ist das Mineralwasser zusätzlich mit dem Hinweis zu versehen: «Enthält mehr als 1,5 mg/l Fluorid: Für Säuglinge und Kinder unter 7 Jahren nicht zum regelmäßigen Verzehr geeignet».

Auf die Frage der Deutschen Presse-Agentur, ob das Mineralwasser der Lidl-Eigenmarke «Saskia» erst seit Kurzem Fluorid enthalte, antwortet ein Sprecher der Schwarz Produktion GmbH & Co. KG schriftlich: «Im Zuge einer Etikettenanpassung weisen wir seit kurzer Zeit auch den Fluoridgehalt des Produktes aus. Dies ist eine freiwillige Angabe und wurde von uns im Sinne einer transparenten und verbraucherfreundlicheren Information aufgenommen. Die Zusammensetzung des Mineralwassers, und damit auch der Fluoridgehalt, hat sich jedoch nicht geändert.»

Fluorid finde sich je nach geologischen Gegebenheiten am Quellort in geringen Mengen in natürlichem Mineralwasser. Eine Anreicherung mit Fluorid sei jedoch nicht gestattet «und findet bei uns nicht statt», so das Unternehmen.

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Links:

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Artikel «Präventionsstrategien durch Anreicherung von Grundlebensmitteln mit Iod, Fluorid und Folsäure: eine Chronologie»: https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2005/11_2005/EU11_444_447.pdf (archiviert: https://archive.vn/H8LDp)

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung zum Zahnschutz durch Fluoride: https://www.kzbv.de/zahnschutz-durch-fluoride.63.de.html (archiviert: https://archive.vn/ZR0Pc)

Australisches Gesundheitsministerium zur Fluoridierung von Trinkwasser: https://www1.health.gov.au/internet/main/publishing.nsf/Content/dentalfluoridation (archiviert: https://archive.vn/6VrLT)

Trinkwasserverordnung - Anlage zu § 6 Absatz 2: https://www.dvgw.de/themen/wasser/trinkwasserverordnung/anlage-1-2/ (archiviert: https://archive.ph/QNvCQ)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fluoridzufuhr https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/fluorid/ (archiviert: https://archive.ph/B10cp)

Mineral- und Tafelwasser-Verordnung - § 8 Kennzeichnung: http://www.gesetze-im-internet.de/min_tafelwv/__8.html (archiviert: https://archive.ph/iEDRd)

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