Bild zeigt 3D-Modell - keine Hightech-Krankenbetten

18/08/2020, 01:13 PM (CEST)

Auf Facebook kursiert eine Nachricht, die Krebspatienten aufhorchen lassen dürfte. Eine «völlig neue Technologie» könne sie schnell wieder gesund machen: Krankenbetten mit künstlicher Intelligenz (KI). Diese könnten den Körper scannen, um Krankheiten wie Krebs zu diagnostizieren. Ein angehängtes Bild zeigt dabei einen Raum mit diversen Hightech-Apparaturen. In der Mitte: eine bläulich schimmernde Liege. Das vollmundige Versprechen: Wer etwa an Leukämie leidet, sei in einem sogenannten Med-Bett «in etwa 2,5 Minuten» geheilt.

BEWERTUNG: Leider ist die Vorstellung einer solchen Wundertechnik zu schön, um wahr zu sein: Das Bild zeigt keine neuartigen Krankenbetten - vielmehr handelt es sich um ein 3D-Modell etwa für Filme und Computerspiele. Künstliche Intelligenz kommt zwar in der Krebsforschung zum Einsatz. Eine Heilung innerhalb von Minuten ist laut Experten jedoch derzeit nicht möglich.

FAKTEN: Das Bild zeigt ein 3D-Modell des Designers Anton Cermak. Er arbeitet in der Slowakei und bietet mit seiner Firma Scifica solche Modelle etwa für die Verwendung in Filmen und Computerspielen an. Das betreffende Modell wird unter anderem auf den Plattformen Artstation und Turbosquid angeboten. Es zeigt den Angaben zufolge ein «futuristisches Sci-Fi-Labor» - und keine Krankenstation oder Krankenbetten.

Forscher arbeiten allerdings tatsächlich daran, künstliche Intelligenz zur Erkennung von Krebs zu nutzen. So hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) im März ein neues Forschungsprojekt vorgestellt. Am Universitätsklinikum Göttingen geht es hierbei darum, mit Hilfe einer KI molekulare Veränderungen in Tumoren zu erkennen. Diese könnten so gezielt und in wesentlich kürzerer Zeit als bislang behandelt werden.

2018 hatte bereits eine Studie von Forschern der Uniklinik Heidelberg für Aufsehen gesorgt: Darin schnitt die KI bei der Erkennung von schwarzem Hautkrebs besser ab als die Fachärzte aus Fleisch und Blut. In einer Folgestudie mit einigen veränderten Parametern lagen die Ergebnisse von Mensch und Maschine dann etwa gleichauf.

Eine Gruppe um Ali Ertürk vom Klinikum der Universität München hat zudem ein KI-System entwickelt, das bei Mäusen Scans des Körpers auf Metastasen hin durchsucht und sogar einzelne Tumorzellen aufspürt. Mit einem besonderen Verfahren wird die Maus dabei zuvor hochauflösend gescannt.

Es gibt auch erste Beispiele dafür, wie solche Technik in der Praxis aussehen könnte. In Deutschland hat zum Beispiel die Firma Magnosco ein zertifiziertes Gerät entwickelt, das auf Basis von Laser-Technologie und KI Ärzte bei der Früherkennung von schwarzem Hautkrebs unterstützen soll. Es ist bislang nur für Studienzwecke im Einsatz.

So weit wie behauptet ist die Forschung aber noch nicht auf dem Weg, KI praktisch in der Krebsdiagnostik einzusetzen. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums gibt es hierfür zwar erste Produkte oder zumindest Produktideen. Aber ein Bett, das Krebs mittels künstlicher Intelligenz binnen Minuten erkennen oder gar heilen könnte? So etwas ist den Experten nicht bekannt.

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Links:

Facebook-Beitrag: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=3341222955917398&set=a.1747012785338431&type=3&theater (archiviert: https://archive.vn/mR7ti)

Anton Cermak: http://www.scifica.com/en (archiviert: http://archive.vn/ZHtc5)

Facebook-Seite von Scifica: https://www.facebook.com/scifica (archiviert: http://archive.vn/v1YyA)

3D-Modell auf Turbosquid: https://www.turbosquid.com/3d-models/futuristic-sci-fi-laboratory-3d-1153894 (archiviert: http://archive.vn/paR9K)

3D-Modell auf Artstation: https://scifica.artstation.com/projects/LBexl (archiviert: http://archive.vn/rd6T0)

Pressemitteilung des Bundesbildungsministeriums: https://www.bmbf.de/de/karliczek-kuenstliche-intelligenz-fuer-krebsbehandlung-nutzen-11047.html (archiviert: http://archive.vn/TnYcJ)

Studie von Hänßle in «Annals of Oncology» (2018): https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0923753419341055 (archiviert: http://archive.vn/rWhnf)

Studie von Hänßle in «Annals of Oncology» (2020): https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0923753419354687 (archiviert: http://archive.vn/5gGJf)

Pressemitteilung zu Projekt aus München: https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2019/ertuerk_metastasen.html (archiviert: http://archive.vn/j0qGA)

Firma Magnosco: https://www.magnosco.com/dermatofluoroskopie (archiviert: http://archive.vn/pmdxG)

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