Derzeit keine sechs Impfdosen gegen Omikron-Variante geplant

18.12.2021, 11:49 (CET)

Die Diskussion rund um die Corona-Pandemie wird aktuell von der Omikron-Variante dominiert. Sie dürfte ansteckender sein, und die Impfstoffe dagegen wirken vermutlich nicht so gut wie zuvor. Zu dem Thema gab der deutsche Impfstoffhersteller Biontech zuletzt eine Pressekonferenz. Aussagen daraus wurden daraufhin in falschen Kontexten verbreitet. So wird etwa in einem Online-Artikel auf Facebook (hier archiviert) behauptet, nach den drei Impfungen der Grundimmunisierung seien wegen Omikron drei weitere Dosen notwendig.

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In der Pressekonferenz war davon keine Rede. Das bestätigte auch eine Biontech-Sprecherin. Demnach steht aktuell noch nicht fest, wie viele Impfdosen es ingesamt braucht, um Omikron ausreichend und länger anhaltend zu neutralisieren.

Fakten

Der im Facebook-Posting verlinkte Artikel bezieht sich auf einen Tweet, in dem Ausschnitte aus einer Pressekonferenz von Biontech am 8. Dezember 2021 zu sehen sind. Vorstandschef Ugur Sahin und die medizinische Geschäftsführerin Özlem Türeci erklären darin, dass für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante einer vorläufigen Laborstudie zufolge drei Dosen ihres Corona-Impfstoffs notwendig seien. Testzeitpunkt war ein Monat nachdem die Studien-Teilnehmenden die Booster-Impfung erhalten hatten.

Eine Passage in der Pressekonferenz sorgt nun in den Sozialen Medien für Verwirrung. Bei Minute 29 sagt Sahin, die Impfung gegen die Omikron-Variante müsse in drei Dosierungen erfolgen. Das interpretieren einige User so, als seien nach der Grundimmunisierung von drei Impfungen weitere drei Dosen vorgesehen. Davon ist aber nirgends die Rede.

Wie eine Biontech-Pressesprecherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Mitte November 2021 mitteilte, habe das «niemand behauptet». Wie viele Dosen es bei der Neuimmunisierung aber brauche und ob ein Booster mit einem an Omikron angepassten Impfstoff ausreiche, sei derzeit noch unklar. Dazu seien weitere Studien erforderlich.

Seit dem 25. November 2021 entwickelt Biontech einen an die Omikron-Variante angepassten Impfstoff. Ob und wann dieser gebraucht werde, sei noch nicht klar, hieß es auf der Pressekonferenz. Unklar sei zudem noch, wie lange eine dreifache Impfung gegen Omikron schützen könne. Solange der modifizierte Impfstoff noch nicht verfügbar sei, komme aber auch ein zweiter Booster mit dem derzeit erhältlichen Präparat in Betracht. 

In der Pressekonferenz und der am selben Tag veröffentlichten Presseaussendung ist von insgesamt sechs oder - wie im Online-Artikel behauptet - gar neun Impfungen keine Rede. Auch in einem Agenturbericht ist davon nichts zu lesen.

(Stand: 16.12.2021)

Links

Tweet von Disclose.tv (archiviert)

Biontech-Pressekonferenz (archiviert)

Presseaussendung von Biontech (archiviert)

APA/dpa-Medienbericht darüber

tkp-Artikel (archiviert)

Facebook-Posting (archiviert)

Kontakt zum Faktencheck-Team der dpa: factcheck-oesterreich@dpa.com